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            "content_html": "<h2 class=\"align-center\">Eine kleine Einführung in die Wichtelwelt</h2>\n\n<h3> </h3>\n<h2 id=\"cc-m-header-9607639670\">A - Die kurze Antwort</h2>\n<p><strong>Selbstverständlich gibt es da einen Unterschied!</strong> Jeder weiß doch, dass es sich um völlig verschiedene Wesen handelt. Der <strong>Kobold</strong> ist ein neckender Hausgeist. Der wohl populärste deutschen Hauskobold, <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eder_und_sein_Pumuckl\" target=\"_blank\"   class=\"extlink extlink-icon-1\" title=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eder_und_sein_Pumuckl\" rel=\"noopener\">Pumuckl</a>, distanziert sich selbst übrigens ganz ausdrücklich von Heinzelmännern! Nach eigenem Bekunden hat er ihnen gegenüber sogar eine regelrechte Abscheu (sowie auch gegenüber Gartenzwergen). Wohnen Kobolde nicht im Haus, sondern auf einem Schiff, werden sie <strong>Klabautermänner</strong> genannt. Leben sie im Wald, zählt man sie zu den <strong>Schraten</strong>.<br><br>Die schon erwähnten <strong>Heinzelmännchen</strong> sind zwar ebenfalls Hausgeister, aber gutmütiger und hilfreicher als Kobolde. Außerdem sind sie weniger ortstreu. Dem Vernehmen nach haben sie in Köln (genau genommen in Cölln [1]) zahlreichen Menschen bei ihrem Tagewerk geholfen, aber ihnen wurde übel mitgespielt und sie sind verschwunden. Andernorts werden hilfreiche Hausgeister zumeist <strong>Wichtel</strong> genannt. In Norddeutschland ist der gemeine Wichtel überwiegend im Weihnachtsgeschäft tätig. Gleiches gilt auch für den skandinavischen Nisse bzw. Tomte.</p>\n<figure class=\"post__image post__image--left\"><img loading=\"lazy\" src=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/Puppenkiste.jpg\" alt=\"Kalle Wirsch\" width=\"219\" height=\"357\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" srcset=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/Puppenkiste-xs.jpg 640w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/Puppenkiste-sm.jpg 768w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/Puppenkiste-md.jpg 1024w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/Puppenkiste-lg.jpg 1366w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/Puppenkiste-xl.jpg 1600w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/Puppenkiste-2xl.jpg 1920w\">\n<figcaption>Kalle Wirsch, Augsburger Puppenkiste</figcaption>\n</figure>\n<p><strong>Gnome</strong> dagegen sind Erdmännchen. Am bekanntesten ist vermutlich Kalle Wirsch, der etliche Abenteuer gegen seinen ärgsten Widersacher Zoppo Trump bestand und am Ende sogar König der fünf Erdmännchen-Sippen wurde. Ein mutmaßlicher Nachfahre Zoppos ist dagegen unlängst bei den Menschen zum Präsidenten eines großen Landes gewählt worden.</p>\n<p>Achtung! Manchmal werden Gnome fälschlicherweise als <strong>Zwerge</strong> bezeichnet. Letztere sind aber an ihren Zipfelmützen eindeutig zu identifizieren. Zwerge wohnen meist unterirdisch oder in Felsenhöhlen (vor allem in <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_in_Tolkiens_Welt#Zwerge\" target=\"_blank\"   class=\"extlink extlink-icon-1\" title=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_in_Tolkiens_Welt#Zwerge\" rel=\"noopener\">Mittelerde</a>), manchmal aber auch im Wald. Die Waldzwerge bilden gerne Kleingruppen (oft sieben) und ziehen morgens singend ins Bergwerk, wo sie nach Edelsteinen graben. Früher haben Zwerge auch in Gärten gelebt, inzwischen sind sie dort aber so selten geworden sind, dass einige Menschen zum Gedenken <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Gartenzwerg\" target=\"_blank\"   class=\"extlink extlink-icon-1\" title=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Gartenzwerg\" rel=\"noopener\">bemalte Tonfiguren</a> in ihr Blumenbeet stellen. Zu den Zwergen im weitesten Sinne gehören  auch noch die vermutlich adeligen Elbenzwerge (<a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Alberich_(Mythologie)\" target=\"_blank\"   class=\"extlink extlink-icon-1\" title=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Alberich_(Mythologie)\" rel=\"noopener\">Alberich bzw. Oberon</a>) sowie eine bestimmte Gruppe von <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Klonk!\" target=\"_blank\"   class=\"extlink extlink-icon-1\" title=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Klonk!\" rel=\"noopener\">Migranten in  Ankh-Morpork</a>, die sich mit <strong>Trollen</strong> herumgeschlagen haben.</p>\n<p>Trolle allerdings gehören nicht hierher! Sie sind lediglich durch eine komplizierte kulturevolutionsbasierte Umformung (Mythonanismus) als kleine hässliche Naturgeister in die Märchenbücher gespült worden. Tatsächlich sind es langbehaarte nachtaktive Riesen mit stark ausgeprägter Sonnenallergie.</p>\n<h2 id=\"cc-m-header-9607639670\">B - Die etwas kompliziertere Antwort</h2>\n<p>Der vorhergehende Abschnitt ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Dennoch wurden darin die landläufigen Kennzeichen von zwergartigen Haus- und Naturgeistern recht zutreffend umrissen. Wer diese Ebene vertiefen möchte, dem seien die farbenfrohen, überaus detailreichen und durchweg liebevollen Schilderungen im Feldführer über Naturgeister von <a href=\"https://archive.org/details/fieldguidetolitt0000arro\" target=\"_blank\"  class=\"extlink extlink-icon-1\"  rel=\"noopener noreferrer\">Nancy Arrowsmith</a> empfohlen, der neben ausführlichen Kennzeichenlisten sogar Hinweise zu geographischen Verbreitung der genannten Wesen enthält. Für alle anderen ist der Rest dieses Artikels gedacht.</p>\n<h3>Die Welt der Geister und Dämonen</h3>\n<figure class=\"post__image post__image--right\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/daemon.jpg\" alt=\"Dämon\" width=\"466\" height=\"500\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" srcset=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/daemon-xs.jpg 640w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/daemon-sm.jpg 768w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/daemon-md.jpg 1024w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/daemon-lg.jpg 1366w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/daemon-xl.jpg 1600w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/4/responsive/daemon-2xl.jpg 1920w\"></figure>\n<p>Schon die Scholastik des Mittelalters war außerordentlich interessiert daran, Ordnung in die Welt der <strong>Geister und Dämonen</strong> zu bringen. Auch die Erzählforschung hat sich natürlich mit dieser Frage beschäftigt und vielfach versucht, verlässliche Kriterien zur Unterscheidung von Zwergen und anderen mutmaßlich kleinwüchsigen Wesen wie Kobolden und Schraten sowie auch Alben bzw. Elben, Feen, etc. zu finden. Vergleichende Analysen stehen vor dem prinzipiellen Problem, dass die Benennungen weder in den überlieferten Volkssagen noch in anderen Textquellen einer strengen Systematik folgen. Dies betrifft sowohl den ontologischen Überbau, also die Einpassung der Geisterwesen in das System der menschlichen Lebenswirklichkeit, als auch die Differenzierung einzelner Geisterwesen in unterschiedliche Gruppen (Systematik).</p>\n<p>Sind Zwerge nun Fabelwesen wie Einhorn und Antipoden? Oder sind es Naturgeister, Erscheinungen bzw. personifizierte Kräfte der Umwelt? Oder sollten sie gar bestimmten \"Elementen\" zugewiesen werden können, wie etwa das Konzept der Elementargeister nach Paracelsus nahelegt? In christlicher Deutung sollteb es wiederum eher böse Dämonen sein, Diener des Teufels, eine Art Anti-Engel auf bösartiger Mission wider den Menschen.  </p>\n<p>Die Romanliteratur, vom Heldenabenteuer des Mittelalters bis zum modernen Fantasy-Genre, hat natürlich auch nicht gerade zur Entwirrung beigetragen. Neuzeitliche Elben haben ja bekanntlich spitze Ohren (obwohl es gar keine Vulkanier sind) und pflegen eine Erzfeinschaft mit den Zwergen. Im wiederaufblühenden Neopaganismus unserer Tage wurden Zwerge wiederum verstärkt als Relikte einer alten, teils vergessenen Naturreligion wahrgenommen, die geheimes Wissen über die wahren Kräfte der Natur vermitteln können. Die gleiche Sehnsucht nach dem angeblich verlorenen Mystischen in der Welt  prägte auch die großen Sammlungen von Volkssagen während der Epoche der Romantik. Deren Protagonisten verstärkten durch ihre Deutungsversuche eine sprachliche Problematik, die schon im Mittelalter evident war.  Was in der einen Sage Kobold genannt wird, heißt anderswo Wichtel oder Zwerg; und auch Alben werden mal als Nachtmare, mal als böse Zwerge und mal als Schrate beschrieben. Insbesondere Texte aus unterschiedlichen Epochen sind in dieser Hinsicht schwer vergleichbar. Um verlässliche Unterschiede zu definieren oder gar eine systematische Klassifikation zu entwickeln, müsste man diese Wesen einer unabhängigen naturwissenschaftlichen Untersuchung unterziehen. Weil man echten Wichteln nun aber notorisch schwierig habhaft werden kann, scheidet dieser Ansatz aus. <span style=\"font-size: inherit;\">Da es zu keiner Zeit einen konsistenten Merkmalskatalog der Haus- und Naturgeister gegeben hat, muss jeder Versuch einer systematischen Dämonologie letztendlich schon an den gegebenen Ausgangsbedingungen scheitern. Man kann Heinrich Heine nur beipflichten, wenn er sagt :</span></p>\n<blockquote>\n<p><em>\"Den Volksglauben selbst in ein System bringen, wie Manche beabsichtigen, ist aber ebenso unthunlich, als wollte man die vorüberziehenden Wolken in Rahmen fassen. Höchstens kann man unter bestimmten Rubriken das Ähnliche zusammentragen. Dieses wollen wir auch in Betreff der Elementargeister versuchen.\"</em></p>\n</blockquote>\n<p>Und selbst das „Ähnliche zusammenzutragen“ ist schwer genug. Das fängt schon damit an, dass der Begriff \"Zwerg\" in deutschen Volkssagen überraschend selten anzutreffen ist. In Nord- und Mitteldeutschland ist beispielsweise meist von Erdgeistern, Unterirdischen oder Bergmännchen die Rede. Dazu kommt allerorten eine Unzahl regionaler Bezeichnungen. Aber selbst wenn man Zwerg als einen Sammelbegriff akzeptiert,  läuft man beim Versuch zur Definition von  typischen Merkmalen dieser Wesengruppe (abgesehen von der Körpergröße) schnell in Schwierigkeiten. Man könnte hier den Zwergenbart oder die Zipfelmütze anführen, möglicherweise auch bestimmte magische Fähigkeiten. Aber je weiter man die Quellen in der Zeit zurückverfolgt, desto inkonsistenter werden die Schilderungen bestimmter Merkmale. Zwerge wohnen oft im Fels oder im Berg (Zwerglöcher) und scheinen daher eine gewisse Assoziation mit Erde oder Stein zu haben. Allerdings scheidet man an dieser Stelle schon die freilebenden Zwerge von den Hauswichteln. Und es ist durchaus fragwürdig, ob das sinnvoll ist. Viele Sagen berichten von Zwergen, die nur gelegentlich bei Menschen vorbeischauen und bei der Arbeit helfen. </p>\n<p>Lassen wir also diese Merkmalsvergleiche einstweilen beiseite und wenden uns einem anderen Ansatz zu. Wo kommen die Bezeichnungen wie Zwerg, Gnom und Wichtel eigentlich her, und was war ihre ursprüngliche Bedeutung? </p>\n<h3>Zwerge</h3>\n<p> </p>\n<p>Nach Meinung des russischen Linguisten Vladimir Orel leitet sich das Wort Zwerg von einer protogermanischen Urform <em>*đwerȝaz</em> ab. Diese lässt sich über die Bezeichnungen <em>dwerch</em> (altfranzösich), <em>dweorg</em> (altenglisch), <em>dvergr</em> (altnordisch) und  <em>twerg</em> (althoch-deutsch) bzw. <em>twerc/getwërg</em> (mittelhochdeutsch) bis zu den modernen Formen, etwa <em>dwarf</em> (englisch), <em>dvärg</em> (schwedisch), oder eben Zwerg im Hochdeutschen nachverfolgen. Für die mittelhochdeutsche Form wird vermutet, es könnte „Trugbild,  Gespenst“ bedeutet haben. Der russisch-amerikanische Linguist Anatoly Liberman postuliert eine Wurzel *dwezg-, die zu althochdeutsch <em>getwās</em> bzw. mittelhochdeutsch <em>getwâs</em>  in der Bedeutung von 'Gespenst, Geist' sowie ebenfalls zur  altenglischen Bezeichnung <em>gedwǣsmann</em>, 'dummer, irrer Mensch' führt. Irrsinn könnte als Besessenheit einem Kranheitsgeist <em>*dwezgaz</em> zugeschrieben worden sein.</p>\n<p>Alle diese Bezeichnungen gehören wohl in das Umfeld der Wurzel <em>*dheues</em> 'Atem', von der auch das altgriechische <em>ϑεός</em>, 'Gott' abgeleitet ist. Auch das litauische <em>dvasia</em> ‘Geistwesen' gehört hierher, wie der norwegische Linguist Ugnius Mikučionis anführt. Dieser vermutet, dass Zwerge ursprünglich als Geistwesen gedacht waren, sich aber auch zu anthropomorphen Körperwesen manifestieren konnten, was letztlich zu den physischen Beschreibungen von (nordischen) Zwergen führte. Die frühen mittelalterlichen Belege wie Glossen, Bußbüchern und heilmagische Texten des christlichen Aberglaubens geben selten Auskunft über das Aussehen der jeweils beschriebenen Wesen. Manchmal wird auf offenbar körperlose Dämonen Bezug genommen, dann wieder scheinen Zwerge die Gestalt von Kleingetier wie Würmern und Spinnen zu haben. Ab etwa dem 12. Jahrhundert scheinen jedoch in der aufkommenden mittelhochdeutschen Literatur mit <em>getwerg</em>  generell Wesen mit geringer Körpergröße und menschlicher Gestalt gemeint gewesen zu sein, die der modernen Definition eines Zwergs nahekommen. </p>\n<p>Der bekannteste Zwerg der deutschen mittelalterlichen Literatur ist vermutlich <strong>Alberich</strong>. Im Nibelungenlied hat er jedoch nur einen kurzen Gastauftritt. Der Leser erfährt im Rahmen einer Binnenerzählung des Hagen von Tronje, Alberich gehöre zum Gefolge des Königs Nibelung und sei trotz seiner Tarnkappe vom Helden Sigfried besiegt worden. Altfranzösische Texte haben die Figur als  <em>Alberon</em> oder <em>Auberon</em> aufgegriffen, und später verwendete Shakespeare diesen Namen für seinen Feenkönig <strong>Oberon</strong>. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.</p>\n<h3>Wichtel und Gnome</h3>\n<p>Wichtel und Gnome sind zwei Begriffe, die weitgehend synonym für Zwerge verwendet werden. </p>\n<p>Wichtel ist ein Diminutiv von <strong>Wicht</strong>; einer Bezeichnung, die heute eigentlich nur mit einer negativen Konnotation (armer Wicht, Bösewicht) verwendet wird. Das Wort Wicht stammt von dem althochdeutschen <em>wiht</em> ab und bedeutet ganz einfach Ding. Die gleiche Wurzel hat das moderne deutsche Wort „nichts“, welches vom  althochdeutschen Indefinitvpronomen <em>niawiht</em> oder <em>nêowiht</em> abstammt, mit dem ein nicht-Ding bezeichnet wurde  – so beispielsweise in dem adverbialen  Ausdruck <em>mit niawihtu</em> ( = mitnichten). Als Wesensbezeichnung war Wicht ursprünglich ein Tabuname [<a href=\"https://wichte-im-wandel.jimdofree.com/2017/09/21/gnome-wichte-zwerge-kobolde-gibt-es-da-einen-unterschied/#ref3\"  class=\"extlink extlink-icon-1\"  >3</a>]. Tabunamen gehen auf den Glauben zurück, dass Worte äquivalent zu Dingen - und Namen äquivalent zu den Namensträgern - sein können. Runen beispielsweise konnten sowohl magisches beschreiben als auch selbst magisch sein. Man befürchtete also, dass die Nennung des wahren Namens eines Dämons unheilvolle Konsequenzen nach sich ziehen könnte – etwa, dass man ihn dadurch verärgerte, oder er sogar herbeigerufen worden wäre. Sicherheitshalber wurde deshalb eine alternative Benennung, eben ein Tabuname, gewählt . Ein Ulmer Hausgeist soll \"der gut Ding\" genannt worden sein - der Wicht-Name wurde hier sozusagen ins Hochdeutsche transformiert.</p>\n<p>Paracelsus prägte den Begriff „Gnome“ für eine Gruppe kleiner <strong style=\"font-weight: 700 !important;\">Erdgeister</strong>. Möglicherweise konstruierte er eine (fehlerhafte) Ableitung aus dem Griechischen (<em>gēnomos</em> = Erdbewohner), um sie auch sprachlich leichter in das Gefüge seiner vier-Elemente-Lehre einzupassen. Paracelsus war in dieser Hinsicht recht erfinderisch. Für Luftgeister erfand er eigens den Begriff „Sylphen“. </p>\n<p>Durch den enormen Einfluss des Paracelsus fand der Begriff Gnom in der Folgezeit sowohl im Volksglauben als auch in der Wissenschaft weite Verbreitung. Ob Paracelsus generell alle Zwerggeister als Gnome betrachtete ist nicht ganz klar; beispielsweise scheinen die Kobolde in seinem Universum keinen Platz gehabt zu haben. Heute werden die Begriffe Gnom und Zwerg  jedenfalls weitgehend synonym verwendet, und auch Kobolde werden regelmäßig als Gnome bezeichnet.</p>",
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Aber was ist das für ein seltsamer Drache, der gleich einem Wellensittich in die Wohnung und wieder hinaus fliegen soll? Doch wohl nicht der Typ Drachen, den der <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_(Heiliger)\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Heilige Georg</a> erlegte. Und auch nicht wie jener sagenhafte Drache, der von <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_der_Drachent%C3%B6ter\"  target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\" title=\"Siegfried\" >Siegfried</a> erschlagen wurde. Nicht zu reden von einem riesigen feuerschleudernen Ungetüm wie Smaug aus dem privatmythologischen Universum von J.R.R. Tolkien.\n  </p>\n\n  <p>\n    Offenbar existieren in der Vorstellung des Menschen verschiedene Typen von Drachen. An dieser Stelle soll nicht der Versuch gemacht werden, den bereits reichlich vorhandenen Abhandlung über mythologischen Drachen eine weitere hinzuzufügen. WIKIPEDIA bietet mit \"<a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Drache_(Mythologie)\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Drache (Mythologie)</a>\" eine recht gute Einstieg in das Thema. Auch der Artikel \"<a href=\"https://wichte-im-wandel.jimdofree.com/app/s9d32aab09968cca0/%20https:/mittelalter.digital/artikel/drachen-im-mittelalter/1\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Drachen im Mittelalter</a>\" von Tobias Enseleit auf der Webseite \"Mittelalter Digital\" enthält eine schön aufbereitete Übersicht über verschiedene Drachen. Für alle, die wissenschaftlich etwas tiefer eintauchen möchten ohne sich durch hunderte von Seiten zu kämpfen, empfehle ich die Artikel \"<a href=\"https://www.jstor.org/stable/20656331\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Der Drache</a>\" von Claude Lecouteux [2] und \"<a href=\"https://www.researchgate.net/publication/286252048_Drache_und_Greif_-_Symbole_der_Ambivalenz\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Drache und Greif – Symbole der Ambivalenz</a>\" von Christa Tuczay [3]. Besonders lesenswert ist die Fachpublikation \"<a href=\"https://sci-hub.se/10.2979/jfolkrese.53.1-4.67\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History</a>\" [4] . Darüber hinaus gibt es natürlich auch ausführliche Monografien zu dem Thema, oftmals jedoch fokussiert auf die \"klassischen\" Sujets der mittelalterlichen Heldenepik  wie Beowulf oder den Sigurd/Siegfried Sagenkreis. Das alles soll hier nicht weiter interessieren, denn hier geht es um einen Drachentypus, dem die genannten Texte viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken: den Hausdrachen.\n  </p>\n\n  <ol>\n    <li>Was wir bringen. Siebenter Auftritt. Gelegenheitsdichtung von Johann Wolfgang von Goethe anlässlich der Eröffnung des Theaters in Bad Lauchstädt, 1802</li><li>Claude Lecouteux: Der Drache. Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 1979 Vol. 108 S. 13-31</li><li>Christa Tuczay: Drache und Greif – Symbole der Ambivalenz. Mediaevistik 2006 Vol. 19 S. 169-211</li><li>Philip J. Senter, Uta Mattox, Eid. E. Haddad (2016), Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History, Journal of Folklore Research, Vol. 53, No. 1-4</li>\n  </ol>\n<hr class=\"separator separator--long-line\" />\n\n    <h3 id=\"der-hausdrachen-im-atlas\">\n      Der Hausdrachen im Atlas\n    </h3>\n\n  <p class=\"text-left-50\">\n    Vor rund hundert Jahren war der Begriff des Hausdrachens geläufiger. Immerhin war das Wesen so prominent, dass es Inhalt einer Frage im Rahmen des Mammutprojektes \"Atlas der deutschen Volkskunde\" war. Übrigens wäre das Atlas-Projekt einen eigenen Blog-Artikel wert, hier aber nur so viel dazu: Zwischen 1930 und 1935 wurde eine Art Volksbefragung (gesammelt durch rund 20.000 sog. Gewährsmänner) mit 243 Fragen im Deutschen Reich durchgeführt, die verschiedenartige Arbeitsweisen, Lebensgewohnheiten, Bezeichnungen von Gegenständen und auch Feste und Brauchtum umfasste, so etwa Erntetechniken in der Landwirtschaft, Zubereitung von Speisen, Benennungen von Musikinstrumenten, Volksmedizin und vieles mehr.&nbsp;\n  </p>\n\n    <figure class=\"img-50 img-right post__image post__image--center\">\n      <img loading=\"lazy\" src=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/Atlas.png\" height=\"545\" width=\"640\" alt=\"\"  sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" srcset=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/Atlas-xs.png 640w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/Atlas-sm.png 768w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/Atlas-md.png 1024w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/Atlas-lg.png 1366w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/Atlas-xl.png 1600w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/Atlas-2xl.png 1920w\">\n      <figcaption>Atlas der Deutschen Volkskunde</figcaption>\n    </figure>\n\n  <p class=\"clear\">\n    Frage Nummer 45 hatte folgenden Inhalt:\n  </p>\n\n  <p>\n    a) Weiß man von einem feurigen Hausdrachen?<br>b) Welches ist seine Bezeichnung?<br>c) Ist sein Verhältnis zu den Hausbewohnern freundlich oder feindlich?\n  </p>\n\n  <p>\n    Eine Vorauswertung dieser Frage stellte der dafür zuständige schlesische Volkskundler <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Steller\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Walther Steller</a> in den \"Mitteilungen der schlesischen Gesellschaft für Volkskunde\" vor [1]. Danach war der Hausdrache praktisch im gesamten Befragungsgebiet (das sog. deutschsprachige Kulturgebiet, von der Schweiz im Südwesten bis Ostpreußen im Nordosten) mehr oder weniger bekannt, freilich unter vielen verschiedenen Namen und mit durchaus variierenden Eigenschaften. Großartige neue Erkenntnisse wurde allerdings durch diese Befragung nicht zutage gefördert, denn die gleiche Vielfalt an Namen und Wesensmerkmalen konnte man schon den zahlreichen Sammlungen sogenannter \"Volkssagen\" im 18. und 19. Jahrhundert entnehmen.\n  </p>\n\n  <ol>\n    <li>Steller, W. Der deutsche Volkskunde-Atlas. Landesstelle Niederschlesien. Mitteilungen der schlesischen Gesellschaft für Volkskunde (1933), Band 33, S. 225-266</li>\n  </ol>\n<hr class=\"separator separator--long-line\" />\n\n    <h3 id=\"der-fliegende-hausgeist\">\n      Der fliegende Hausgeist\n    </h3>\n\n  <p>\n    Geschichten über Hausdrachen scheinen über eine lange Zeit überaus poulär gewesen zu sein, was schon an der  Vielzahl regionaler Benennungen deutlich wird. Sehr häufig, unter anderem in Sachsen, heißt er einfach \"Drachen\" oder niederdeutsch \"Drak\". In Thüringen findet man auch \"Steppken\", nach Niedersachsen hin \"Stöpke\", \"Teckelmucker\" sowie \"Gluswanz\" (Glühschwanz), \"Fuerdrake\" (Feuerdrache) und ähnliches. In der sorbischen Lausitz nennt man ihn \"Plon\", im ehemaligen Pommern und Ostpreußen oft \"Alf\" oder - in slawisch geprägten Sprachregionen - \"Kolbuk\", \"Kaubuk\" oder \"Kubotschik\".  Aus Österreich kennt man unter anderem die Bezeichnung \"Schab\" und aus der Schweiz \"Mandreiola\". Nicht zuletzt folgen viele Texte auch der christlichen Doktrin: Insbesondere im katholischen Bayern war es der leibhaftige \"Teufel\", der in die Häuser flog. Insgesamt kommt man wohl auf gut 50 verschiedene Benennungen, je nach dem wie man die (manchmal nur leicht unterschiedlichen) Schreibweisen und mundartlichen Variationen zählt .<br>\n  </p>\n\n    <figure class=\"img-50 img-left post__image post__image--center\">\n      <img loading=\"lazy\" src=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/image.jpg\" height=\"400\" width=\"600\" alt=\"\"  sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" srcset=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-xs.jpg 640w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-sm.jpg 768w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-md.jpg 1024w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-lg.jpg 1366w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-xl.jpg 1600w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2xl.jpg 1920w\">\n      <figcaption>Hausgeister werden gefüttert (Pamphlet von 1579) [1]</figcaption>\n    </figure>\n\n  <p class=\"text-right-50\">\n    Wie die Namen, so sind auch die überlieferten Wesensmerkmale des Hausdrachens sehr vielfältig und einige davon finden sich auch bei anderen mythologischen Wesen. Solche Merkmalsüberlappungen sind aber nicht selten. Wie bei anderen Sagenwesen ist es auch bei den Hausdrachengeschichten offenbar im Lauf der Zeit zu phantasievollen Erweiterungen sowie Verschmelzungen oder Verwechslungen gekommen.&nbsp;Wir werden ganz am Schluss dieses Artikel noch darauf zurückkommen. Andererseits sind die Charakteristika des feurigen Haudrachens in der Summe so typisch, dass man seine Entwicklung recht zuverlässig durch Raum und Zeit verfolgen kann. Was macht ihn also in seinem Wesenskern aus?\n  </p>\n\n  <p class=\"clear\">\n    &nbsp;&nbsp;\n  </p>\n\n  <p>\n    1880 veröffentlichte der Literaturwissenschaftler Edmund Veckenstedt (1840 - 1903) die Sammlung  \"Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche\". Das Buch ist eine reichhaltige Quelle für Begebenheiten mit Hausdrachen. Insbesondere informiert es uns über dessen bevorzugten Aufenthaltsorte in menschlichen Behausung sowie über das Verhältnis zu seinem \"Besitzer\". Ganz so wie bei anderen Hausgeistern musste der Drachen nämlich gut behandelt werden. Vor allem die regelmäßige und artgerechte Fütterung war wichtig, ansonsten war Unglück vorprogrammiert:\n  </p>\n\n  <p>\n    Wir werden ganz am Schluß dieses Artikel noch darauf zurückkommen. Andererseits sind die Charakteristika des feurigen Haudrachens in der Summe so typisch, dass man seine Entwicklung recht zuverlässig durch Raum und Zeit verfolgen kann. Was macht ihn also in seinem Wesenskern aus?\n  </p>\n\n  <p class=\"Zitat\">\n    Ein Bauer in einem Dorfe bei Hoyerswerda hatte einen Drachen. Einst wollte er mit seiner Frau in die Stadt zum Abendmahl gehen. Deshalb übertrug er die Sorge um den Drachen seinem Knecht. Der Knecht freute sich sehr, einmal einen Drachen sehen zu können. Zur rechten Zeit kochte er, wie ihm befohlen war, die Milchhirse, setzte sie auf die oberste Stufe der Bodentreppe und versteckte sich. Sogleich kam ein buntes Kalb aus der Bodenkammer und machte sich über die Milchhirse her: da diese aber zu warm war, so ward der Drache zornig. Aus seinem Munde drang ein grosser Feuerstrahl heraus, so dass das Haus in kurzer Zeit niederbrannte. Der Drache ist, wie die Leute gesehen haben, davongeflogen.[2]\n  </p>\n\n  <p>\n    Der Lehrer <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Toeppen\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  ><strong>Max Toeppen</strong></a> (1822 - 1893) aus der früheren preußischen Provinz Ostpreußen veröffentlichte 1867 ein Buch mit dem Titel \"Aberglauben aus Masuren\". Darin gibt er zahlreiche Begebenheiten mit einem meist \"Kolbuk\" genannten Wesen wieder, das wie ein Vogel durch die Luft fliegt und den Menschen Reichtümer zuträgt:\n  </p>\n\n  <p class=\"Zitat\">\n    Eine Kaufmannsfrau in Neidenburg hatte einen Vogel, wie eine Eule, der ihr Reichthümer verschaffte, wie sie denn auch einen großen Aufwand machte. Nach ihrem Tode soll die Eule durch den Schornstein zu einem Verwandten geflogen sein. Der Mann fand nach ihrem Tode einige tausend Thaler und Kostbarkeiten aller Art, goldene Uhren, Ketten, kostbare Kleiderstoffe, wovon er früher nichts gewußt hatte, wodurch die Sache bestätigt wurde.[4]\n  </p>\n\n  <p>\n    Der Philologe und Märchensammler <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_M%C3%BCllenhoff\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  ><strong>Karl Müllenhoff</strong></a> (1818 - 1884) liefert uns in seiner Sammlung von Sagen aus Schleswig, Holstein und Lauenburg die folgender Beschreibung:\n  </p>\n\n  <p class=\"Zitat\">\n    Der Drache ist ein großes feuriges Tier mit einem langen Schweif, von der Größe eines Bese- oder Windelbaumes. Bald zieht er hoch, bald ganz niedrig eben über der Erde hin und schlüpft mitunter in ein Haus. Wenn zwei Brüder, indem sie miteinander fahren, einen solchen Besuch sehen, und nehmen sie dann ein Wagenrad ab, stecken es aber verkehrt wieder auf und fahren weiter, so kann der Drache nicht wieder zurück und das Haus muß verbrennen. Wenn einer ihn niedrig und in dunkelrotem Feuer glühend hinziehen sieht, so muß er sich unter ein Dach stellen, den Hintern entblößen und die blanke Scheibe dem Drachen zukehren; dann entsetzt er sich, platzt und die schwere Geldladung, die er, wenn er so aussieht, immer mit sich führt, fällt heraus und macht den Finder zum reichen Mann. Er muß es aber ja nicht auf freiem Felde tun; denn dann bewirft ihn der Drache mit Unrat. Der Drache kommt zu den Leuten, die mit ihm in Verbund sind, gewöhnlich durch den Schornstein oder das Eulenloch. Er bringt ihnen nicht nur Geld, sondern auch Geldeswert. [5]\n  </p>\n\n  <p>\n    Besonders interessant an der Schilderung von Müllenhoff sind zwei Beschwörungspraktiken für den Drachen. Zum einen wird der Drache durch das seitenverkehrte Aufziehen eines Wagenrads im Haus gebannt - was dazu führt, dass er das Haus seines Besitzers verbrennt, um sich zu befreien. Der Drache wird hier als mythologische Erklärung (ein ätiologisches Narrativ) für Feuersbrünste herangezogen, die zudem eine Komponente der nachbarlichen Missgunst enthält. Letzterer wird die letztendliche Schuld zugewiesen.<br>Zum anderen kann der Drache offenbar von Fremden um sein Diebesgut erleichtert werden, wenn diese eine bestimmtes Ritual vollziehen. In Müllenhoffs Version ist es das Zeigen des blanken Hinterns, in anderen Geschichten muss man seine Schubändern durchschneiden, etwas nach dem Drachen werfen oder eine magische Formel sprechen. Wir werden auf das Fallenlassen von Gegenständen durch den Drachen später noch zurückkommen.\n  </p>\n\n  <ol>\n    <li>Pamphlet \"A rehearsall both straung and true...\" (1579). University of Michigan Library: http://name.umdl.umich.edu/A12973.0001.001</li><li>Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. 1880. Kap. XL, S. 390\n</li><li>s.o. Kap. XL, S. 385\n</li><li>Max P. Töppen: Aberglauben aus Masuren (1866). \n</li><li>Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. 1845. S. 221-222.</li>\n  </ol>\n<hr class=\"separator separator--long-line\" />\n\n    <h3 id=\"volksphilosophische-betrachtungen\">\n      Volksphilosophische Betrachtungen\n    </h3>\n\n  <p class=\"text-left-50\">\n    Im Gegensatz zu magischen Geldmännchen und anderen \"Geldbrütern\", die Geld oder Gold aus dem Nichts erschaffen konnten, waren die vom Drachen zugeführten Güter keineswegs übernatürlichen Ursprungs. Im Gegenteil, der Drache brachte Diebesgut! Nicht überraschend kursierte daher in der frühen Neuzeit unter der Bevölkerung ein buntes Konvolut von Ratschlägen, wie man sich den Drachen vom Hals halten könne. Anfang  des 18. Jahrhunderts trug der Zwickauer Apotheker <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Schmidt_(Apotheker)\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  ><strong>Johann Georg Schmidt</strong></a> zeitgenössische volksmagische Praktiken und Aberglauben zusammen, die er in seinem Buch „<a href=\"http://www.zeno.org/nid/20005621119\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Die gestriegelte Rockenphilosophie</a>“ [1] kritisch beleuchtet (der Titel ist eine politisch nicht ganz korrekte Anspielung auf die Ammenmärchen, die sich Frauen angeblich bei den Arbeiten am Spinnrad erzählten).&nbsp; Darin behandelt Schmidt einige magische Praktiken zur Abwehr des Drachens und versucht sich auch an einer mythologischen Einordnung:\n  </p>\n\n    <figure class=\"img-50 img-right post__image post__image--center\">\n      <img loading=\"lazy\" src=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/image-2.jpg\" height=\"400\" width=\"317\" alt=\"\"  sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" srcset=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2-xs.jpg 640w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2-sm.jpg 768w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2-md.jpg 1024w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2-lg.jpg 1366w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2-xl.jpg 1600w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-2-2xl.jpg 1920w\">\n      <figcaption>Scan aus dem „Die gestriegelte Rockenphilosophie“. Bayerische Staatsbibliothek. Kein Urheberrechtsschutz - nur nicht-kommerzielle Nutzung erlaubt</figcaption>\n    </figure>\n\n  <p class=\"clear\">\n    \n  </p>\n\n  <p class=\"Zitat\">\n    Weil aber insgemein gesaget wird / daß der Drache das und jenes holete, so möchte ich doch wissen, was man denn eigentlich durch den Drachen verstehe? denn es kan dieser Nahme auf dreyerley Art verstanden werden. Erstlich der Teufel an- und für sich selbst; zum andern der in der Lufft fahrende feurige also genannte Drach, und drittens ein natürlicher Drach, welcher ein grausamer grosser gifftiger Wurm oder Schlange, dergleichen der Ritter St. George soll erlegt haben. [2]\n  </p>\n\n  <p>\n    Im weiteren Text erläutert  er verschiedene Maßnahmen und untersucht sie auf ihre Wirksamkeit. Zu nennen wären hier <a href=\"http://www.zeno.org/nid/20005621208\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Kapitel 105</a>: \"Wer viel Geld einzunehmen hat, der soll Kreyde darzulegen, so können böse Leute nichts davon wieder holen\", <a href=\"http://www.zeno.org/nid/20005621216\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Kapitel 106</a>: \"Wenn der Drache oder böse Leute einem nichts vom Gelde holen sollen, so wasche man es nur in reinem Wasser ab, und lege ein wenig Brodt und Salz darzu\", sowie <a href=\"http://www.zeno.org/nid/20005623928\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Kapitel 372</a>: \"Wer in der Erndte das erste Korn einführet / der soll von denen ersten Garben etliche nehmen / und in die vier Winckel der Scheunen Creutze damit legen / so kan der Drach nichts davon holen\".\n<br><br>Vor allem das Kapitel 105 über die Kreide ist sehr humorvoll geschrieben. Da man es online nachlesen kann, sei nachfolgend nur das ebenfalls humorige Fazit Schmidts über die wahre Natur des diebischen Drachens wiedergegeben:\n  </p>\n\n  <p class=\"Zitat\">\n    Es kömmet offt was weg von ein und andern Sachen,\n<br>Da man deßwegen nicht beschuldgen darff den Drachen.\n<br>Es thut es nicht der Drach, vielweniger der Teufel,\n<br>Die Frau, Knecht, Magd und Kind sinds eh; glaubs ohne Zweifel.\n  </p>\n\n  <ol class=\"Referenzen\">\n    <li>Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken- Philosophie. 2 Bände, Chemnitz 1718 (Bd. 1), 1722 (Bd. 2), [Nachdruck Weinheim; Deerfield Beach, Florida 1987].\n</li><li>s.o., Band 1 / Das dritte Hundert / Das 72. Capitel. S. 176-180.</li>\n  </ol>\n<hr class=\"separator separator--long-line\" />\n\n    <h3 id=\"ob-der-drache-oft-zu-ihr-kaeme-und-ob-sie-einen-gelddrachen-haette\">\n      Ob der Drache oft zu ihr käme und ob sie einen Gelddrachen hätte?\n    </h3>\n\n  <p class=\"text-left-75\">\n    Kann man den Gelddrachen im Volksglauben des 18. und 19. Jahrhunderts noch als amüsante Anekdote betrachten, so war das Thema im 16. und 17. Jahrhundert todernst - im wahrsten Sinne des Wortes.  Zwischen 1555–1664 fanden in der Stadt Bernburg an der Saale zahlreiche Hexenprozesse statt. Eines dieser Verfahren, durchgeführt von 1617–1619, zielte auf die  Frau des Bürgermeisters <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Meyhe\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >Barbara Meyhe</a>. Ihr wurden zahlreiche in Hexenprozessen typische Delikte vorgeworfen, von der Verhexung von Personen bis zur Anwendung von Zauberpraktiken. Unter anderem wurde sie auch gefragt, \"ob sie einen Gelddrachen hätte, der auf dem Birnbaum im Garten Geld ausspeie, ob sie einen Getreidedrachen hätte, der ihr vom Land anderer Leute das Getreide zuführe, ob ein schwarzer Vogel ihr die vielen vorgefundenen Eier gebracht habe?\" und ein Stadtknecht bezeugte den Besuch des Drachen bei ihr selbst noch im Gefängnis: „es möchte wohl der böse Feind bei ihr gewesen sein“, denn er habe hinter der Tür einen Lichtschein gesehen [1].\n  </p>\n\n    <figure class=\"img-25 img-right post__image post__image--center\">\n      <img loading=\"lazy\" src=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/image-3.jpg\" height=\"526\" width=\"582\" alt=\"\"  sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" srcset=\"https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-3-xs.jpg 640w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-3-sm.jpg 768w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-3-md.jpg 1024w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-3-lg.jpg 1366w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-3-xl.jpg 1600w ,https://www.rainercramm.de/axis-mundi/media/posts/1/responsive/image-3-2xl.jpg 1920w\">\n      <figcaption>Hexe mit drachenähnlichem Wesen (Pamphlet von 1579). [2]</figcaption>\n    </figure>\n\n  <p class=\"clear\">\n    \n  </p>\n\n  <p class=\"section\">\n    <a href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Dillinger\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  ><strong>Johannes Dillinger</strong></a>, als Historiker in Mainz und an der Oxford Brookes Universiät tätig, hat zahlreiche <a href=\"https://aeon.co/essays/how-economic-behaviour-drove-witch-hunts-in-pre-modern-germany\" target=\"_blank\" class=\"extlink extlink-icon-1\"  >weitere Beispiele für Hexenprozesse</a> recherchiert, in denen Frauen ein teuflischer Pakt mit geldbringenden Dämonen vorgeworfen wurde [3]. So wurde im Jahr 1580 in Coburg Margaretha Hönin als Hexe verbrannt, unter anderem weil sie angeblich regelmäßigen von einem Gelddrachen besucht wurde. Und 1628, ebenfalls in Coburg, wurde Margaretha Ramhold der Hexerei bezichtigt und exekutiert. Durch den Verkauf von Milch und Bier relativ wohlhabend geworden, war die einzig mögliche Erklärung für das Gericht offenbar ein Drachen, der Geld (oder gegebenenfalls auch Milch) brachte. Dillinger liefert auch eine interessante und plausible Begründung für den Umstand, dass gerade der Drache bei der \"Überführung\" einer Person als Hexe ins Spiel kommen konnte. Denn zu dieser Zeit waren vielfältige volksmagische Praktiken im Gebrauch, um den eigenen Reichtum zu mehren. Aber magische Schätze gehörten niemandem, während ein Drache seinen Besitzers mit Diebesgut der Nachbarn und Mitbürger beglückte. Es war im Grunde also gar nicht Magie, die hier justiziabel wurde, sondern ein ganz gewöhnliches weltliches Delikt: der Diebstahl.\n  </p>\n\n  <p>\n    \n  </p>",
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